Die Grafikkarte meines Business-Notebooks ist leider etwas zu mies, um wirklich gut zocken zu können. Ich hab trotzdem für euch Fortnite ausprobiert. Und mit „World of Warcraft“ habe ich eine Vorgeschichte: als ich 8 war, spielte mein 13-Jähriger Bruder Warcraft (1994). Es hat nicht lange gedauert, bis meine Zwillingsschwester und ich über seine Schulter geschaut haben. Wir hatten damals schon zwei PCs zuhause. Als Warcraft II 1995 rauskam, haben wir die zwei Geräte mit einem LAN-Kabel verbunden und zu dritt gespielt. Bis meine Mutter uns die Keyboards versteckt hat. Oder einfach den Stecker rausgezogen hat, wenn wir nicht zum Essen gekommen sind.
Damit euch das nicht passiert, habe ich für euch die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die ihr über Fortnite und World of Warcraft wissen solltet, falls eure Kinder oder Kinder in eurer Umgebung diese Spiele spielen (oder spielen möchten).
Unglaubliche Welten, fantastische Erlebnisse
Dass Spiele so eine große Beliebtheit erreichen, ist nicht verwunderlich. Seht euch mal aktuelle Games an: tolle Grafik, packende Stories, geile Sounds und tolle Musik beeindruckende, fantastische Welten und starke, coole und verrückte Charaktere. Einfach saugut gemacht. Das klickt in vielen Gehirnen und setzt beim Spielen laufend Glückshormone frei.
Zocken macht glücklich
Ein neues Level erreicht, einen starken Gegner besiegt, ein kniffliges Rätsel gelöst oder fette Beute eingesackt: das macht die Spieler:innen happy. Im Gehirn werden Glückshormone ausgeschüttet. Beim Zocken leuchten im Gehirn übrigens die gleichen Regionen, wie beim Drogenkonsum. Das wurde bereits in Studien dokumentiert: Bei einem Spieler, der eine neue Mission in „World of Warcraft“ startet, leuchtet die gleiche Region im Gehirn, die z.B. beim Heroinkonsum aktiviert wird. Es entsteht ein ganz ähnliches Muster im Belohnungszentrum.
Darum habe ich Fortnite und World of Warcraft („WoW“) ausgesucht. Diese Spiele werden von mehreren Hundert Millionen Menschen weltweit gespielt, und über diese Spiele gibt es eine Menge Berichte im Zusammenhang mit extremen Spielzeiten und Spielsucht.
Dopamin fühlt sich gut an und motiviert zum Weiterspielen. Adrenalin und Cortisol sind Stresshormone und werden bei besonders spannenden, aufregenden Spielen mit hohem Handlungsdruck ausgeschüttet. Lange Spielzeiten hinterlassen mitunter eine wilde Hormonmischung im Gehirn – an Konzentration, Ruhe oder Entspannung ist erst mal nicht zu denken.
Fortnite
Handlung & Ziele im Spiel
Im klassischen Spielmodus „Battle Royale“ spielen bis 100 Personen einzeln oder als Teams gegeneinander. Alle gegen alle. Das Ziel ist, alle Gegner zu erledigen. Dafür gibt es Waffen, Munition und alle mögliche Ausstattung („Gear“). Erschwert wird die Handlung durch einen „Sturm“, der die zur Verfügung stehende Spielfläche immer weiter verkleinert, und am Ende nur einen kleinen Bereich verschont. Die Spieler:innen werden mit fortschreitender Zeit auf einen immer kleineren Raum gezwungen. Das Spiel enthält konstruktive Elemente (den „Bau-Modus“, in dem Verteidigungsanlagen errichtet werden). Kern des Spiels ist die Anwendung von verschiedenen Waffen. (Anm.: Ich wurde nach einem Tweet über den Blog darauf aufmerksam gemacht „der Kern des Spiels ist nicht „die Anwendung verschiedener Waffen“(???) Sondern das übrigbleiben als einzige:r Spieler:in eines Battle royales.“ Bedanke mich für den Hinweis. Nachdem man nur durch Einsatz von Waffen als einzige:r Spieler:in übrigbleibt, lasse ich das so stehen. Verstehe aber, wenn für Gamer der Kern des Spiels was anderes ist, als für mich.)
Mechanismen, die lange Spielzeiten fördern
Fornite wird weltweit von über 400 Millionen Spieler:innen gespielt. Es sind immer genug Gegner:innen für das nächste Battle da. Knapp zu verlieren, die eher kurze Dauer eines Battles (5-25 Minuten), neu gewonnene Fähigkeiten oder neue Ausstattung des Avatars und das Spielen in der Gruppe fördern eine lange Spielzeit. Wenn man abgeschossen wird, landet man wieder in der „Lobby“, von dort aus startet das nächste Spiel. Immer weiter.
Risiken für junge Spieler:innen
Das Spiel läuft mit hohem Tempo. Das kleiner werdende Spielfeld und die hohe Zahl Gegner:innen erzeugen Stress. Sich verstecken, anderen auflauern oder verfolgt werden macht es zusätzlich spannend. Im „Battle Royale“ Modus können die Spieler:innen über einen Live-Chat kommunizieren, der Umgangston ist mitunter sehr rauh. Das Spiel wird weltweit und von vielen Erwachsenen gespielt. Gegen wen man spielt entscheidet der Zufall. Achtung mit inGame-Käufen, das Angebot ist verlockend. Das Spiel ist grundsätzlich kostenlos. Durch den Kauf eines „Battlepass“ oder durch die Spiel-Währung „V-Bucks“ können zusätzliche Skins, Tänze oder Waffen erworben wären. Bezahlt ist das Spiel geiler. Das ist Absicht.
Altersempfehlung
PEGI und USK stufen Fortnite mit 12 Jahren ein und begründen mit „comichafter und unrealistischer Darstellung“. Jugendschutzorganisationen und Expert:innen kritisieren diese Einstufung häufig und empfehlen Fortnite zum Teil erst ab 14 Jahren.
Suchtfaktor
Hoch. Berichte, über Fortnite-süchtige Jugendliche gibt es seit mehreren Jahren. Im Dezember 2022 berichtet esports.ch über 3 Elternpare, die Epic Games verklagen. Das Spiel mache süchtig und habe das Leben ihrer Kinder ruiniert. Bereits 2018 berichtet derstandard.at über therapeutische Maßnahmen für Kinder mit Fortnite-Sucht.
Smartphone Coach-Empfehlung
Du kannst selbst am besten einschätzen, wie viel Stress und Aufregung dein Kind in Spielen oder Videos verkraftet. Triff die Alterseinschätzung mit Hilfe deiner Erfahrung. Richtet den Spiel-Account gemeinsam ein und besprecht vorher die erlaubte Spielzeit, die Verwendung von inGame-Käufen (Achtung: dafür kann eine Kreditkarte hinterlegt werden oder ihr verwendet Guthaben-Karten.) und die Chat-Funktion (kann in gewissen Modi deaktiviert werden). Spielzeit unbedingt beschränken und auf eine gute Balance zu Aktivitäten ohne Bildschirm achten!
World of Warcraft
Handlung & Ziele im Spiel
Die Geschichte von WoW wird seit fast 30 Jahren entwickelt und ist sehr komplex. Ihr könnt sie z.B. hier nachlesen: Zum Wikipedia-Artikel über „World of Warcraft“. Als Spieler:in wählt man zu Beginn „Allianz“ oder „Horde“, diese beiden Fraktionen spielen gegeneinander. Der eigene Spiel-Charakter entwickelt sich durch das Sammeln von Erfahrungspunkten. Die bekommt man durch erfüllte Aufgaben („Quests“). Je nach Spielmodus und Umgebung geht es entweder stärker um die Erfüllung der „Quests“ oder stärker um das Rollenspiel im Zusammenspiel mit anderen Spieler:innen. Mit steigendem Erfolg und Fortschritt sammelt die Spielfigur („Avatar“) Waffen, Ausrüstung und Punkte.
Mechanismen, die lange Spielzeiten fördern
Spieler:innen schließen sich in WoW zu Gilden zusammen. Eine Gilde spielt zusammen und die Charaktere tauschen oder schenken sich untereinander Gegenstände. Das Zusammenspiel als Gilde bringt Vorteile im Spiel. Und viele Spieler:innen knüpfen dadurch enge Kontakte. Dadurch entstehen oft Freundschaften. Damit kann gleichzeitig sozialer Druck entstehen, möglichst oft zu spielen, um die eigene Gilde nicht im Stich zu lassen. Die nächste Aufgabe oder Mission wartet schon. Das Spiel ist rund um die Uhr verfügbar. Das „Verbessern“ des eigenen Charakters auf eine höhere Stufe zieht Spieler:innen stark an. Durch steigende Erfolge im Spiel steigt die Aufmerksamkeit im Clan. Spieler:innen erfahren in WoW eine Menge an Aufmerksamkeit, Status, positiven Gefühlen und Erlebnissen, die sie im echten Leben eventuell nicht in dem hohen Maß haben. Die Charaktere zu entwickeln und Beziehungen zu pflegen braucht viel Zeit. Der Spielaufbau hat keinen Anfang und kein Ende, die Welten und sozialen Komponenten laden zum langen Verweilen in der Welt ein.
Risiken für junge Spieler:innen
WoW ist nicht kostenlos, um zu spielen muss ein monatliches Abo bezahlt werden (11-13 €, je nach Abo) und auch inGame-Käufe führen zu zusätzlichen Kosten. Das Spiel wird hauptsächlich von Erwachsenen gespielt, der durchschnittliche WoW-Spieler ist 32 Jahre alt. Weltweit spielen monatlich 4-5 Millionen Spieler:innen, wem man in dem Spiel begegnet ist schwer vorhersehbar. Über die Chat-Funktion im Spiel können Spieler:innen jederzeit von jeder Person angesprochen werden. Fälle, in denen junge Spieler:innen von Erwachsenen mit sexueller Missbrauchsabsicht angesprochen werden, tauchen immer wieder auf.
Altersempfehlung
Offiziell ab 12 Jahren. Aufgrund der starken Suchtfaktoren fordern ehemalige Spieler:innen und Eltern häufig eine Freigabe ab 16 oder 18 Jahren.
Suchtfaktor: Extrem. World of Warcraft wird auch das „süchtigmachendste Spiel der Welt“ genannt! Siehe auch Link zur Doku unten.
Smartphone Coach Empfehlung
Spielzeit unbedingt beschränken! Wenn möglich, ab und zu gemeinsam spielen. Richtet den Spiel-Account gemeinsam ein und besprecht vorher die erlaubte Spielzeit, die Verwendung von inGame-Käufen (Achtung: dafür kann eine Kreditkarte hinterlegt werden, oder ihr verwendet Guthaben-Karten) und die Chat-Funktion. Besprecht auch, dass die meisten Spieler:innen erwachsen sind, und euer Kind in Chats keine privaten Details, Kontaktdaten, Fotos, Videos oder dergleichen teilen soll und sich nicht allein ohne Absprache mit Bekanntschaften aus dem Spiel treffen darf.

Unter diesem Link findest du eine 7 Minuten kurze Mini-Doku von Anthony Rosner. Im Video „In Real Life“ erzählt er über sein Leben als Anführer einer Gilde in World of Wacraft. Seine Leidenschaft für das Spiel wurde schließlich zur Sucht, mit massiven Auswirkungen auf sein Leben. Weiter zur Mini-Doku

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