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Kürzlich war ich in einer Mittelschule am Stadtrand von Wien. Guter Bezirk, eine schlaue, aufgeweckte 3. Klasse (12-13-Jährige) und ein sehr engagierter Lehrer.
Um das Eis zu brechen, frage ich zu Beginn immer jede:n Schüler:in nach seinem oder ihrem Lieblingsspiel oder der aktuellen Lieblingsapp. TikTok, YouTube, Brawlstars, Instagram, Snapchat, die üblichen Verdächtigen.
Dann sagt der erste Bub „GTA V“
Moment, wie bitte? Insgesamt sitzen an diesem Tag 4 Buben in der Klasse, die GTA als Lieblingsspiel nennen.
Das ist wirklich schlecht. Spielinhalte sind nicht mein Thema im Workshop. Aber bei dem Spiel kontaktiere ich im Anschluss den Lehrer. Wenn ich bei Eltern-Workshops nachfrage, wer GTA kennt, bekomme ich häufig zu hören „da geht’s um Autorennen“.
„Grand Theft Auto V“ ist weltweit das zweitmeist verkaufte Computerspiel. Aber es geht nicht um Autorennen.
Die Spielfigur ist ein Krimineller, der sich mit illegalen Jobs über Wasser hält. In der Stadt „Los Santos“ in „San Andreas“ (eine Parodie auf Los Angeles in Californien), blüht das Verbrechen.

„USK ab 18 Jahren“ bedeutet „Jugendbeeinträchtigend und antisoziale Weltanschauung“
Das Spiel ist von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für Minderjährige nicht freigegeben.
Weißt du, was in der USK18 steht? Hier sind ein paar Auszüge aus den Kriterien:
„Diese Spiele werden für Minderjährige generell nicht freigegeben, da sie jugendbeeinträchtigend sind. Dadurch werden Minderjährige etwa vor drastischen Gewaltdarstellungen oder antisozialen Weltanschauungen geschützt. Auch wird Spielen die Freigabe verweigert, deren Spielmechanik die Herabwürdigung von Charakteren als normal oder sogar positiv vermittelt. Generell soll verhindert werden, dass sich junge Spieler*innen sich mit Charakteren identifizieren, deren Handeln nicht den ethisch-moralischen Anforderungen unserer Gesellschaft entspricht.“
USK 18 wird an Spiele vergeben, bei denen…
… das Spielkonzept grundlegen gewalthaltig ist. Das bedeutet, der Hauptinhalt des Spiels ist: Gewalt.
… eine düstere, bedrohliche Spielatmosphäre besteht.
… sogar 16-17-Jährige noch nicht als „ausreichend sozial reif“ eingestuft werden, um die nötige Distanz zum Spielgeschehen einzunehmen.
Was sind „Gewalt-Inhalte“?
Die USK beurteilt Gewalt anhand des inhaltlichen Kontexts und der Art, wie die Gewalt dargestellt ist und von den Spieler:innen erlebt wird.

Angedeutete Gewalt: Die Kampf- oder Gewaltdarstellungen im Spiel erscheinen abstrakt und nicht wirklichkeitsnah. Bei Kämpfen fehlt der Körperkontakt zwischen den Figuren, Verletzungen sind nicht sichtbar.
Fantasy-Gewalt: Die Kampf- oder Gewaltdarstellungen sind von einer magischen, märchenhaften oder futuristischen Gesamtumgebung geprägt und klar von der Realität zu unterscheiden.
Comic-Gewalt: Comichafte Elemente wie unrealistische Waffen, überzeichnete Effekte und Gegnerfiguren, die verpuffen, prägen das Kampfgeschehen.
Diese Gewalt-Arten führen zu keinem Jugendverbot. Spiele mit Comic- oder Fantasy-Gewalt werden nicht mit „USK ab 18“ eingestuft. Das ist eine andere Liga:
Gewalt: Das Spiel enthält wuchtige Kampf- oder Gewaltdarstellungen, die realistisch wirken können oder vordergründiges Spielthema sind.
Drastische Gewalt: Die gewalthaltigen Inhalte im Spiel sind deutlich visualisiert und/oder genretypisch stark fokussiert. In GTA V z.B. eine lang dauernde, explizit dargestellte Folterszene.
Sexualisierte Gewalt: Im Spiel sind deutliche Hinweise auf Gewalt mit sexualisiertem Bezug zu erkennen.
Bei GTA V kommen noch „Erhöhte Kommunikationsrisiken“ (Kontakt zu Fremden Erwachsenen“, „Derbe Sprache), „belastende Themen“ (Sucht, Drogenkonsum, Prostitution), „Schimpfwörter“, und „Sexuelle Inhalte“ dazu.
Was die Kriterien im Detail bedeuten, kannst du auf dieser Seite nachlesen: usk.de/die-usk-alterskennzeichen/
Was du noch wissen solltest
GTA ist ein Online-Multiplayer-Spiel. Das heißt, Jugendliche spielen mitunter gemeinsam mit fremden Erwachsenen.
Was du tun kannst
Sieh dir die Spiele, die dein Kind spielt, genau an. Spiel ein paar Runden mit. Lass es dir von deinem Kind erklären.
Sieh dir auch immer die Alterseinstufung an, und lies den Spiel-Inhalt nach. Wenn du googelst, findest du über jedes Computerspiel Einschätzungen und Beschreibungen. Auf YouTube findest du auch Videos, bei denen du einen Teil des Spiels sehen kannst, ohne es selbst zu spielen.
Erlaub keine Spiele, die du dir nicht selbst angesehen hast.
Und lass dich dabei nicht von deinem Kind unter Druck setzen. Oft muss es ganz schnell gehen: „Schaltest du mir das bitte frei? Ich will das jetzt spielen!“ – Mach mit deinem Kind aus, dass du etwas Zeit brauchst, um dir neue Spiele anzusehen. Oder ihr legt den Account gemeinsam an und spielt die ersten Runden zusammen.
Gemeinsam zocken hat mehrere positive Effekte
Ihr verbringt Zeit gemeinsam. So gebt ihr einer Sache, die dein Kind gerne mag, einen Platz. Und ihr beschäftigt euch auf positive oder zumindest neutrale Weise mit dem Thema „Computerspielen“, das nimmt die Spannung aus den Diskussionen rund um Bildschirmzeit.
Und du lernst gleichzeitig alle wichtigen Details über das Spiel, die du wissen musst, um mit deinem Kind eine realistische Vereinbarung über die Spielzeit zu treffen.
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